Am 1. Mai zeigte sich erneut ein Grundproblem der deutschen Energiewende: Bei viel Sonne, niedriger Nachfrage und fehlender Steuerbarkeit fällt der Strompreis an der Börse tief ins Minus – während die Kosten am Ende trotzdem bei den Bürgern landen.
Der 1. Mai war ein sonniger Feiertag. Für viele Menschen ein schöner Frühlingstag – für das deutsche Stromsystem jedoch ein weiterer Stresstest.
Denn während Industrie und Gewerbe an einem bundesweiten Feiertag deutlich weniger Strom verbrauchen, speisten Photovoltaikanlagen enorme Mengen Strom ins Netz ein. Die Folge: Der Börsenstrompreis fiel zeitweise auf –499,99 Euro pro Megawattstunde. Das entspricht rund –50 Cent pro Kilowattstunde. Damit wurde nahezu die technische Untergrenze im europäischen Day-Ahead-Strommarkt erreicht. Die Europäische Strombörse EPEX SPOT weist für gekoppelte Day-Ahead-Märkte eine Untergrenze von –500 €/MWh aus.
Was zunächst wie eine gute Nachricht klingt, ist in Wahrheit ein Warnsignal. Denn negative Strompreise bedeuten nicht, dass Strom für Bürger automatisch billiger wird. Sie bedeuten vor allem: Es gibt zu bestimmten Zeiten mehr Strom, als sinnvoll verbraucht oder gespeichert werden kann.
Wenn Strom zum Entsorgungsproblem wird
Strom muss im Netz jederzeit im Gleichgewicht sein: Erzeugung und Verbrauch müssen zusammenpassen. Wird zu viel Strom produziert, geraten Netzbetreiber unter Druck. Die Bundesnetzagentur erklärt negative Großhandelspreise genau mit dieser Situation: hohe und unflexible Stromerzeugung trifft auf niedrige Nachfrage, häufig bei viel Wind- oder Solarstrom und an Feiertagen.
Genau das geschah am 1. Mai. Solarstrom war in den Mittagsstunden in riesigen Mengen vorhanden. Gleichzeitig war der Bedarf wegen des Feiertags geringer als an normalen Werktagen. Das Problem ist dabei nicht allein die Photovoltaik an sich, sondern eine Energiewende, die Erzeugung massiv ausbaut, ohne Speicher, Netze, Steuerbarkeit und bezahlbare Reservekraftwerke im gleichen Tempo mitzudenken.
Viele kleine PV-Anlagen lassen sich bislang nicht ausreichend netzdienlich steuern. Wenn dann auch noch Wind, konventionelle Mindestleistung und grenzüberschreitende Stromflüsse hinzukommen, entsteht ein Überangebot. Dieser Strom muss trotzdem irgendwie aus dem System heraus – notfalls über negative Preise.
Minuspreise entlasten nicht automatisch den Bürger
Für Verbraucher klingt ein negativer Strompreis zunächst verlockend. Doch der normale Haushalt merkt davon in der Regel kaum etwas. Der Endkundenpreis besteht nicht nur aus dem Börsenstrompreis, sondern auch aus Netzentgelten, Steuern, Abgaben, Umlagen und Vertriebskosten.
Gleichzeitig entstehen an anderer Stelle erhebliche Kosten. Betreiber erneuerbarer Anlagen haben je nach Förderregime weiterhin Vergütungsansprüche oder Absicherungen. Netzbetreiber müssen Eingriffe vornehmen, Strommengen abregeln oder das System stabilisieren. Diese Kosten verschwinden nicht – sie werden über Bundeshaushalt, Netzentgelte oder Umlagen am Ende von Steuerzahlern und Stromkunden getragen.
Der Punkt ist deshalb einfach:
Billiger Börsenstrom nützt wenig, wenn das Gesamtsystem immer teurer wird.
Ein System mit falschen Anreizen
Der 1. Mai macht sichtbar, was Kritiker seit Jahren sagen: Die deutsche Energiepolitik setzt zu stark auf installierte Leistung und zu wenig auf Versorgungssicherheit, Speicherfähigkeit und Systemkosten.
Es reicht nicht, immer neue Wind- und Solaranlagen zu bauen, wenn deren Strom zu bestimmten Zeiten nicht gebraucht, nicht gespeichert und nicht sinnvoll transportiert werden kann. Dann entsteht keine sichere und günstige Energieversorgung, sondern ein teures Überangebot zur falschen Zeit.
Besonders widersprüchlich ist: In Zeiten von Strommangel oder Dunkelflaute braucht Deutschland weiterhin gesicherte Leistung. In Zeiten von viel Sonne und wenig Verbrauch dagegen muss Strom teilweise regelrecht „entsorgt“ werden. Genau diese Schwankungen machen das System teuer und anfällig.
Unsere Forderung: Energiepolitik wieder vom Bürger her denken
Die AfD steht für eine Energiepolitik, die sich an Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit und technischer Vernunft orientiert.
Deutschland braucht keine ideologische Schönrechnung, sondern eine ehrliche Bilanz der Energiewende. Dazu gehören alle Kosten: Netzausbau, Redispatch, Abregelung, Reservekraftwerke, Speicher, Eingriffe in den Markt und Belastungen für Bürger und Unternehmen.
Wer nur auf die Erzeugungskosten einzelner Anlagen schaut, verschweigt die eigentlichen Systemkosten. Strom muss nicht nur erzeugt werden. Er muss genau dann verfügbar sein, wenn Haushalte, Handwerk, Mittelstand und Industrie ihn brauchen.
Der 1. Mai hat gezeigt:
Deutschland hat nicht einfach ein Strompreisproblem. Deutschland hat ein energiepolitisches Steuerungsproblem.
Eine verantwortungsvolle Politik darf die Bürger nicht länger mit immer neuen Kosten belasten, während gleichzeitig behauptet wird, die Energiewende mache Strom automatisch billiger. Die Realität an der Strombörse zeigt das Gegenteil: Wenn ein System zeitweise dafür zahlen muss, dass Strom überhaupt abgenommen wird, läuft grundsätzlich etwas falsch.



