AfD-Kreisverband Cuxhaven: Unsere Küste braucht Vernunft statt pauschaler Aussperrpolitik
Die Krabbenfischerei gehört zur niedersächsischen Nordseeküste. Sie ist nicht nur ein Wirtschaftszweig, sondern Teil unserer regionalen Identität. Wer an Dorum-Neufeld, Wremen, Spieka-Neufeld, Greetsiel, Neuharlingersiel oder andere Sielhäfen denkt, der denkt auch an Kutter, Fischerei, Krabben, Hafenleben und Küstentradition.
Der AfD-Landtagsabgeordnete Alfred Dannenberg hat in seiner Rede im Niedersächsischen Landtag deutlich auf die Sorgen der Krabbenfischer hingewiesen. Sein Video greifen wir bewusst auf, weil die Frage nicht nur Ostfriesland oder einzelne Häfen betrifft, sondern die gesamte niedersächsische Küste – und damit auch unseren Landkreis Cuxhaven.
Worum geht es?
Hintergrund ist die EU-Biodiversitätsstrategie 2030. Danach sollen deutlich mehr Land- und Meeresflächen unter Schutz gestellt werden. Für die Meere steht dabei das Ziel im Raum, 30 Prozent der Fläche zu schützen und davon ein Drittel – also 10 Prozent – besonders streng zu schützen.
In Niedersachsen wird diese Vorgabe nun über den sogenannten Fischereidialog aufgegriffen. Ziel ist es, fischereifreie oder streng geschützte Gebiete im niedersächsischen Küstenmeer festzulegen. Nach Aussage der Landesregierung soll dies innerhalb der bestehenden Schutzgebietskulisse, insbesondere im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer, geschehen.
Genau hier liegt das Problem: Für viele Krabbenfischer geht es nicht um eine abstrakte Karte, sondern um konkrete Fanggründe, Fahrwege, Häfen, Familienbetriebe und Investitionen in eine Zukunft, die immer unsicherer wird.
Naturschutz ja – aber mit Maß und Vernunft
Wir stellen den Schutz des Wattenmeeres nicht infrage. Das Wattenmeer ist ein einzigartiger Naturraum und verdient einen verantwortungsvollen Umgang. Aber verantwortungsvoller Naturschutz bedeutet nicht, gewachsene Nutzungen pauschal zu verdrängen.
Die Krabbenfischerei ist seit Generationen Teil dieser Küstenlandschaft. Sie findet in einem Naturraum statt, der ohnehin stark von natürlichen Veränderungen geprägt ist: Strömungen, Sedimente, Priele, Wind, Tide und Wetter verändern das Watt ständig. Gerade deshalb muss sehr genau geprüft werden, welche Nutzung tatsächlich problematisch ist und wo pauschale Verbote mehr Schaden anrichten als Nutzen bringen.
Wissenschaftliche Untersuchungen des Thünen-Instituts zur Krabbenfischerei zeigen, dass die Auswirkungen differenziert betrachtet werden müssen. Die Krabbenfischerei hat zwar messbare Effekte, diese sind in den vorherrschenden Lebensräumen des Wattenmeeres aber im Vergleich zu anderen natürlichen Faktoren deutlich begrenzter, als es in der politischen Debatte oft dargestellt wird.
Die Küste darf nicht zur Verfügungsmasse werden
Unsere Fischer stehen längst unter Druck. Schlechtere Fangjahre, steigende Betriebskosten, fehlender Nachwuchs, Schlickprobleme in kleinen Häfen, Konkurrenz um Meeresflächen durch Offshore-Windenergie, Kabeltrassen und weitere Nutzungskonflikte setzen der Branche zu. Zusätzlich läuft ein Bundesprogramm, das die Stilllegung eines erheblichen Teils der Krabbenkutter vorsieht.
Vor diesem Hintergrund ist es schwer vermittelbar, wenn ausgerechnet jetzt weitere Fanggebiete geschlossen werden sollen, ohne dass vorher glaubwürdig dargelegt wird, warum genau diese Flächen zwingend betroffen sein müssen.
Warum werden nicht zuerst Flächen geprüft, die ohnehin kaum oder gar nicht befischt werden können? Warum werden bestehende Einschränkungen, unbefischbare Bereiche, Kabeltrassen, Windkraft-Nutzungen, Sicherheitsbereiche oder bereits geschützte Zonen nicht stärker in die Betrachtung einbezogen? Warum wird der wirtschaftliche und touristische Wert der Kutterhäfen nicht mindestens gleichrangig mitgedacht?
Diese Fragen müssen beantwortet werden, bevor neue Verbote beschlossen werden.
Unser Landkreis ist direkt betroffen
Für die Wurster Nordseeküste, für Dorum-Neufeld, Wremen und Spieka-Neufeld ist Fischerei mehr als ein Erwerbszweig. Die Kutter gehören zum Bild der Orte. Sie prägen den Tourismus, die Gastronomie, das Hafenleben und das Heimatgefühl.
Wenn Krabbenkutter verschwinden, verschwindet nicht nur ein Arbeitsplatz auf See. Dann verliert die Küste ein Stück Gesicht. Ein Hafen ohne Fischer ist für viele Besucher und Einheimische nicht mehr derselbe Hafen.
Deshalb darf die Politik diese Frage nicht nur aus der Perspektive von Karten, Prozentzielen und Verordnungen betrachten. Sie muss mit den Menschen sprechen, die vor Ort leben, arbeiten und Verantwortung tragen.
Politische Verantwortung nicht nach Brüssel abschieben
Es reicht nicht, vor Ort mit den Schultern zu zucken und zu sagen: „Die EU will das so.“ Wenn europäische Strategien beschlossen werden, tragen die Parteien Verantwortung, die diesen Kurs auf europäischer Ebene mitgetragen haben. Und wenn diese Vorgaben in Niedersachsen umgesetzt werden, trägt die Landespolitik Verantwortung dafür, ob sie mit Augenmaß handelt oder über das Ziel hinausschießt.
Genau hier liegt der Kern unserer Kritik: Zu oft werden europäische Ziele vor Ort so umgesetzt, dass am Ende die Menschen in den Regionen die Folgen tragen. Fischer, Landwirte, Handwerker, Familienbetriebe und Kommunen müssen dann ausbaden, was in politischen Strategien und Fachkonzepten beschlossen wurde.
Wir brauchen deshalb eine ehrliche Debatte: Was ist zwingend vorgeschrieben? Wo gibt es Spielräume? Wer entscheidet über welche Flächen? Welche Folgen hat das für Betriebe, Häfen, Tourismus und regionale Identität?
Unsere Forderung
Der AfD-Kreisverband Cuxhaven fordert eine Umsetzung mit Augenmaß:
Keine pauschale Aussperrung der Krabbenfischer aus ihren angestammten Fanggebieten.
Vorrangige Prüfung bereits eingeschränkter, unbefischbarer oder tatsächlich besonders sensibler Flächen.
Verbindliche Berücksichtigung der wirtschaftlichen Folgen für Fischer, Häfen, Gastronomie und Tourismus.
Transparenz darüber, welche Vorgaben wirklich von der EU kommen und wo Niedersachsen selbst entscheidet.
Langfristige Planungssicherheit für die verbleibenden Betriebe.
Echte Beteiligung der Betroffenen statt Beteiligung nur auf dem Papier.
Küstenschutz heißt auch Schutz der Küstenkultur
Unsere Küste lebt nicht nur von Natur, sondern auch von Menschen, Arbeit, Tradition und Verantwortung. Krabbenfischer sind keine Störenfriede im Wattenmeer. Sie sind Teil einer gewachsenen Kulturlandschaft.
Wer den Schutz der Natur ernst nimmt, darf die Menschen vor Ort nicht gegen die Natur ausspielen. Vernünftige Politik bringt beides zusammen: Schutz der Lebensräume und Erhalt der regionalen Betriebe.
Alfred Dannenberg hat mit seinem Video einen wichtigen Punkt angesprochen: Die Krabbenfischerei darf nicht schrittweise aus der Küste herausgedrängt werden. Wir unterstützen diese Linie.
Für uns ist klar: Die niedersächsische Nordseeküste braucht keine Politik der pauschalen Verbote, sondern Vernunft, Maß und Sachverstand.
