Die Klimapolitik der vergangenen Jahre wurde in Deutschland häufig mit besonders drastischen Zukunftsszenarien begründet. Immer wieder war von einer drohenden „Klimakatastrophe“ und Erwärmungen von mehreren Grad bis zum Jahr 2100 die Rede. Solche Szenarien hatten erheblichen Einfluss auf politische Debatten, Gesetze, Förderprogramme, CO₂-Bepreisung, Verbote und Eingriffe in Wirtschaft und Alltag.
Ausgangspunkt dieses Beitrags ist ein aktueller Artikel von Prof. Fritz Vahrenholt, der auf eine wichtige neue Entwicklung in der internationalen Klimaszenarien-Debatte aufmerksam macht. Vahrenholt verweist dabei insbesondere auf einen am 7. April 2026 veröffentlichten Fachaufsatz zum kommenden Szenarienrahmen für CMIP7.

Dieser Fachaufsatz ist politisch bedeutsam: Dort wird festgehalten, dass die bisherigen sehr hohen Emissionspfade, insbesondere SSP5-8.5, für das 21. Jahrhundert als „implausibel“ gelten. Begründet wird dies unter anderem mit sinkenden Kosten erneuerbarer Energien, bereits bestehenden Klimapolitiken und jüngeren Emissionstrends.
Wichtig ist dabei eine saubere Einordnung: Es handelt sich nicht um einen offiziellen Beschluss des Weltklimarates, sondern um einen wissenschaftlichen Szenarienaufsatz für ScenarioMIP im Rahmen von CMIP7. Diese Szenarien sind jedoch relevant, weil sie als Grundlage für künftige Klimamodellierungen und wissenschaftliche Bewertungen dienen sollen.
Besonders bemerkenswert ist: Das neue hohe Emissionsszenario wird ausdrücklich nicht als „business as usual“ beschrieben. Es soll vielmehr eine Entwicklung abbilden, bei der Klimaschutzmaßnahmen zurückgenommen werden und sich politische, technische und strukturelle Trends deutlich verschlechtern.

Auch bei den aktuellen Temperaturdaten lohnt sich ein genauer Blick. Die UAH-Satellitendaten für die untere Troposphäre weisen für April 2026 eine globale Abweichung von +0,39 Grad Celsius gegenüber dem Mittel 1991–2020 aus. Der lineare Trend seit Januar 1979 liegt dort bei +0,16 Grad Celsius pro Jahrzehnt.
Andere Datensätze kommen zu anderen Werten, weil sie andere Messmethoden und Bezugsgrößen verwenden. Der europäische Copernicus-Dienst meldet für April 2026 eine bodennahe globale Lufttemperatur von 0,52 Grad über dem Mittel 1991–2020 und 1,43 Grad über dem geschätzten vorindustriellen Niveau von 1850–1900. April 2026 war dort der gemeinsam drittwärmste April seit Beginn der ERA5-Reihe.
Gerade diese Unterschiede zeigen: Klimapolitik darf nicht auf Schlagworten beruhen. Sie muss auf überprüfbaren Daten, realistischen Szenarien und ehrlicher Abwägung beruhen. Wenn extreme Annahmen heute als weniger plausibel gelten, muss auch die politische Bewertung angepasst werden.
Deutschland trägt nach Angaben der Internationalen Energieagentur rund 1,6 Prozent zu den weltweiten energiebedingten CO₂-Emissionen bei. Das bedeutet nicht, dass Deutschland gar nichts tun soll. Es bedeutet aber sehr wohl, dass jede Maßnahme auf Verhältnismäßigkeit geprüft werden muss: Was bringt sie tatsächlich weltweit? Was kostet sie Bürger, Mittelstand, Landwirtschaft und Industrie? Und welche Folgen hat sie für Wohlstand, Arbeitsplätze und Versorgungssicherheit?

Auch der Klimabeschluss des Bundesverfassungsgerichts von 2021 bezog sich auf die damalige Annahme, ohne zusätzliche Maßnahmen gelte ein globaler Temperaturanstieg von mehr als drei Grad bis zum Jahr 2100 als wahrscheinlich. Wenn sich die wissenschaftliche Szenariengrundlage weiterentwickelt, darf die Politik daran nicht vorbeigehen.
Unsere Position ist klar: Klimaschutz muss vernünftig, bezahlbar und technologieoffen sein. Panikpolitik, Verbote und planwirtschaftliche Eingriffe helfen weder dem Klima noch den Bürgern. Deutschland braucht eine Energie- und Wirtschaftspolitik, die Versorgungssicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und bezahlbare Preise wieder in den Mittelpunkt stellt.
Die neue Szenariendebatte ist deshalb kein Grund, alle Umweltfragen beiseitezuschieben. Aber sie ist ein dringender Grund, die deutsche Klimapolitik ehrlich zu überprüfen.
Quellen und weiterführende Hinweise
Ausgangspunkt dieses Beitrags ist der Artikel von Fritz Vahrenholt auf KlimaNachrichten vom 13. Mai 2026:
https://klimanachrichten.de/2026/05/13/fritz-vahrenholt-der-weltklimarat-sagt-die-klimakatastrophe-findet-nicht-statt/
Grundlage der fachlichen Einordnung ist der Aufsatz „The Scenario Model Intercomparison Project for CMIP7“, veröffentlicht am 7. April 2026 in Geoscientific Model Development:
https://gmd.copernicus.org/articles/19/2627/2026/
Aktuelle Temperaturdaten UAH, April 2026:
https://www.drroyspencer.com/2026/05/uah-v6-1-global-temperature-update-for-april-2026-0-39-deg-c/
Aktuelle Temperaturdaten Copernicus, April 2026:
https://climate.copernicus.eu/surface-air-temperature-april-2026
Angaben der Internationalen Energieagentur zu Deutschlands CO₂-Emissionen:
https://www.iea.org/countries/germany/emissions
Klimabeschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 24. März 2021:
https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Downloads/DE/2021/03/rs20210324_1bvr265618.pdf



