Viele etablierte Politiker sehen die Anlanden des großen Kreuzfahrtschiffs in Cuxhaven als großartige humanitäre Hilfeleistung und sind sehr stolz darauf. Die AfD kritisiert das scharf. Tatsächlich geht es nicht um Humanität, sondern um ein für die Reederei möglichst kostengünstiges Krisenmanagement, das im schlimmsten Fall sogar das vorsichtige Wieder-Hochfahren insbesondere der Cuxhavener Tourismuswirtschaft gefährden kann. Wieder einmal ist zu befürchten, dass die bei manchen Entscheidungen an den Tag gelegte Gutgläubigkeit massiven Schaden anrichtet.

Laut dem unten verlinkten Artikel war dieses Schiff etwa zwei Wochen vor dem Einlaufen in Cuxhaven im Hafen von Teneriffa. Dort wurden Besatzungen von mehreren Schiffen auf dem später nach Cuxhaven kommenden Schiff zusammengezogen. Da stellt sich erstens die Frage, warum die Besatzungen nicht von Teneriffa aus nach Hause fliegen konnten. Zweitens war dieses Zusammenziehen der Besatzungen vieler Schiffe auf einem einzigen in Bezug auf den Infektionsschutz ein eklatanter Fehler. Anstatt die Personenzahl zu begrenzen hat man genau das Gegenteil gemacht. Dafür gibt es eine mögliche Erklärung: die Reederei hatte mit Cuxhaven einen deutschen Hafen gefunden, der die Krise für sie managt und nur einen Liegeplatz zur Verfügung stellte.

Dass wirtschaftliche Aspekte im Vordergrund stehen lässt sich an einem weiteren Beispiel festmachen: Zur Entspannung der Lage sollte ein Teil der Besatzung auf einem weiteren Schiff untergebracht werden, das in der deutschen Bucht liegt und dazu auch nach Cuxhaven kommen sollte. Nachdem es jedoch an Bord Randale mit erheblichen Sachbeschädigungen gab, war das ganz schnell wieder vom Tisch. So muss die Reederei auf einem und nicht auf zwei Schiffen nach Ende der Krise die Inneneinrichtung reparieren lassen.

Dass behandlungsbedürftige Besatzungsmitglieder in ein Krankenhaus an Land gebracht werden ist unstrittig. Doch auch die weiteren auf Corona positiv getesteten Besatzungsmitglieder, die laut Reederei „leichte beziehungsweise keine Symptome“ haben sind nun, wie in der Lokalpresse zu lesen war in eine Klinik nach Debstedt gebracht worden. Das wirft weitere Fragen auf, zum Beispiel warum man Krankenhausbetten mit symptomfreien Patienten belegt. Weitaus brisanter ist aber ein anderer Gesichtspunkt: durch die Unterbringung innerhalb des Landkreises sind das nunmehr auch Fälle des Landkreises. In den vergangenen Wochen gab es Verbreitungen des Virus auch aus bzw. über ein Krankenhaus.

Da die weitere Öffnung von aktuellen Fallzahlen abhängig ist, könnte im schlimmsten Fall das so dringend notwendige Wieder-Hochfahren der Cuxhavener Tourismuswirtschaft daran scheitern, dass durch diese zusätzlichen Fälle die Maximalzahl überschritten wird. Die AfD hat auch deshalb in der Ratssitzung am Donnerstag (07.05.) erneut das Ende dieser Gutmenschen-Politik gefordert. Der Reeder hat das Schiff nach Malta ausgeflaggt, entsprechend soll es in Cuxhaven ablegen und Malta anlaufen!

https://www.zeit.de/hamburg/2020-05/mein-schiff-3-quarantaene-cuxhaven-coronavirus-besatzungsmitglieder?page=1